FISCH-
AUF-
STIEG

Für einige Fischarten ist es notwendig, dass sie über längere Distanzen wandern können. An den Energiedienst-Wasserkraftwerken erleichtern vielfältige Auf- und Abstiegshilfen ihre Reise.

Gute Nachrichten für Fische: 
Auch Wasserkraftwerke sind passierbar!

Das Ökosystem eines Fließgewässers beruht darauf, dass es im Fluss ist. Nur in einem durchgängigen Strom können Fische und andere Wasserorganismen zu Laichgebieten, Futter- und Ruheplätzen oder Winterquartieren flussauf- und -abwärts wandern. Auf ihrer Wanderung durchmischen sie sich mit anderen Fischpopulationen und besiedeln neue Flussabschnitte. Dies gilt insbesondere für den Lachs, der bereits seit 1950 im Hochrhein als ausgestorben gilt. Der Lachs legt für seine Fortpflanzung die größten Entfernungen zurück, denn er wandert ins Meer und zum Laichen wieder zurück in das Süßgewässer, in dem er geboren wurde. Insbesondere im Oberrhein, also unterhalb von Basel gibt es noch einige Schleusen- respektive Kraftwerksstandorte, die von Lachsen kaum passiert werden können. Daher erreichen heute nur einzelne Exemplare den Hochrhein. Heute ist das Öffnen ihrer Reisewege die wichtigste Bedingung dafür, dass sie wieder dauerhaft im Rhein heimisch werden.

Fischaufstiegsanlagen sind ein Segen!

Reisefreiheit für den Lachs­! Wir von Energiedienst arbeiten dran. Staustufen und Querbauwerke erschweren die freie Fischwanderung. Wenn Lachse erst einmal den Hochrhein bei Basel erreichen, dann ist der weitere Weg frei. An allen Wasserkraftwerken vorbei – in Richtung Rheinfall und über die Aare bis ins Schweizer Mittelland. Alle Kraftwerke am Hochrhein verfügen über funktionierende Fischaufstiegsanlagen. Die meisten von ihnen wurden in den letzten Jahren oder werden in den kommenden Jahren sogar erneuert.

Fischaufstiegsanlagen: Maßarbeit für jeden Fisch

Fischaufstiegsanlagen ermöglichen Fischen, flussaufwärts zu wandern: Dafür müssen sie den Einstieg finden und die Becken durchschwimmen können. Jede Fischart und jeder Standort stellt spezifische Anforderungen an die Aufstiegshilfen. 

Da Staustufen und Querbauwerke die freie Fischwanderung erschweren, verfügen alle Energiedienst-Kraftwerke über Fischaufstiegshilfen, auch Fischpässe genannt, wie zum Beispiel Fischtreppen oder naturnahe Fischaufstiegsgewässer. Die ersten Fischtreppen gibt es bereits seit über 100 Jahren, als Energiedienst die Rheinkraftwerke Wyhlen, Laufenburg und Rheinfelden baute. In Wyhlen befördert mittlerweile sogar ein Fischlift die Fische rund sechs Meter hoch in das Oberwasser. Kontinuierlich haben wir die Fischpässe gemäß dem aktuellen Wissen über Wander- und Aufstiegsverhalten modernisiert. Geplant ist, bis 2020 alle Fischaufstiegsanlagen zu erneuern. Alleine am Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt wurden in deren Neubau rund acht Mio Euro investiert.

Wie funktioniert eine Fischtreppe?

Von Natur aus orientieren sich flussaufwärts schwimmende Fische an der Strömung. Gelangen Nase, Barbe und Co. an ein Hindernis, lotst sie eine künstliche Leitströmung in die Fischtreppe. Sie besteht aus aneinandergereihten Becken, die mit Öffnungen oder Schlitzen miteinander verbunden sind.

 

 

Diese durchschwimmen die Fische und überwinden so die Höhendifferenz der Staustufe Becken für Becken. Wichtig ist, dass Fische die Fischtreppe leicht entdecken, erklimmen und zügig durchschwimmen können.

Gut austariert: Denn jeder Fisch tickt anders!

Egal, ob große oder kleine Fische, starke oder schwache Schwimmer – alle Arten sollen die Fischaufstiegshilfe nutzen können. Weil jede Fischart unterschiedliche Vorlieben hat, muss die Anlage in Zusammenarbeit mit Experten auf den jeweiligen Standort und die dort beheimateten Fische zugeschnitten sein. Ingenieure, Ökologen und Fischereiexperten stehen vor der Herausforderung, die Fischaufstiegshilfen mit Steinen, Betonelementen oder Kies so zu gestalten, dass Strömungsverhältnisse wie in der Natur entstehen. Dabei spielt es für die Funktion keine Rolle, ob mit Natursteinen wie bei einem Raugerinne-Beckenpass oder mit Betonelementen wie bei einem Schlitzpass (Vertical-Slot-Fischpass) gebaut wird. Ein Schlitzpass eignet sich zum Beispiel, wenn wenig Platz vorhanden ist, da auf gleichem Raum mehr Becken platziert werden können. In den Becken aller Fischpässe rauen grobe Steine den Boden auf, sodass die Strömung gebremst wird und schwimmschwache Fische sohlnah aufwandern können.

Fischpass Wyhlen rundum saniert

Nach aktuellen Erkenntnissen gestaltete Energiedienst zum Beispiel den Fischpass beim Rheinkraftwerk Wyhlen von Grund auf neu. In der neunmonatigen Bauzeit entstand ein Raugerinne-Beckenpass mit unregelmäßigem Steinaufbau und rauer Beckensohle. Ein Raugerinne sieht optisch zwar unregelmäßig aus, ist aber genau nach Plan gebaut. Bereits kleine Gestaltungsfehler können dazu führen, dass nicht allen wanderwilligen Fischen der Aufstieg gelingt. Durch die versetzt angeordneten Steine entstehen unterschiedliche Strömungsverhältnisse, die jeder Fischart die jeweils richtigen Bedingungen bieten. Zwischen den Becken wurde als weitere Verbesserung der Höhenunterschied und damit die Fließgeschwindigkeit reduziert, um auch schwimmschwachen Fischarten die Passage zu ermöglichen. Der Einstieg für den Fischpass befindet sich nun bei den Turbinenausläufen, da hier die meisten Fische nach einer Aufstiegsmöglichkeit suchen. Um die Fische besser zum Einstieg zu leiten, beträgt die Leitströmung statt bisher 330 nun 1.550 Liter pro Sekunde.

Fischlift am Kraftwerk Wyhlen

Kommt ein unüberwindbares Hindernis in den Weg und weit und breit ist weder eine Fischtreppe noch ein Aufstiegsgewässer zu finden, muss der wandernde Fisch eben auch mal Fahrstuhl fahren. Auch wenn er es gar nicht richtig merkt. Denn solch ein Lift ist schlau angelegt:
Eine künstliche Leitströmung (4) fließt im Unterbecken durch eine verschließbare Öffnung aus einer korbartigen Lift-Kabine (Reuse - 6) heraus, die – wie bei normalen Fahrstühlen auch – über ein Seilsystem (1+2) nach oben gezogen wird. Oben angekommen, können die Fische dann über eine Öffnung zu einer oben gelegenen Ablaufrinne (3) in das Oberbecken des Wehrs gelangen – eine gefahrlose Rutschpartie im abfließenden Reusenwasser.

14.500
FISCHE

Von 0 auf 2400 Schneider

Bei der Modernisierung berücksichtigte Energiedienst viele Details und nutzte das Fachwissen verschiedener Fischereiexperten. Trotzdem zeigt erst der Praxistest, ob und wie Fische den Fischpass nutzen. Um das herauszufinden, stehen Aufstiegsanlagen in regelmäßigen Monitorings in Zusammenarbeit mit Fischereiverbänden und Fischbiologen auf dem Prüfstand. In Wyhlen zählten die ortsansässigen Fischereivereine ein Jahr lang die aufgestiegenen Fische nach dem umfangreichen Umbau. Die Maßnahmen fruchten: Sie zählten 14.500 Fische – das waren dreimal so viele wie bei der vorhergehenden Zählung am alten Beckenpass. Insbesondere bei Kleinfischen und der seltenen Fischart Schneider zeigte sich die wesentliche Verbesserung gegenüber früher. Wurde vorher noch kein einziges Exemplar der seltenen Fischart Schneider im Fischpass registriert, waren es nach der Sanierung insgesamt 2.400 Exemplare.

Wie geht eine Fischzählung?

In Wyhlen, Rheinfelden und Ryburg-Schwörstadt schwimmen die aufgestiegenen Fische am oberen Ende der Fischtreppe über eine Öffnung in ein Zählbecken oder in eine Reuse. Bei der Nutzung eines Zählbeckens wird der Durchgang zum Fischpass mit einem Schieber geschlossen. Die Fische werden in ein mit Wasser gefülltes Zählbecken geleitet und können dort einfach mit Keschern gefangen, bestimmt und gezählt werden. Danach gelangen sie wieder in die Freiheit. Bei der Reusenzählung wird die Reuse aus dem Wasser gehoben und die Fische zur Zählung und Bestimmung in ein separates Becken gegeben. Vorteil der Zählbecken ist, dass sie Verletzungen bei Fischen minimieren, die Zählungen vereinfachen und genauere Zählergebnisse im Vergleich zu Reusen liefern, durch deren Maschen kleine Fische entweichen können.