LEIT-

ARTEN 

Bei unseren Ausgleichsmaßnahmen orientieren wir uns besonders an Leitarten: Ihre Verbreitung spricht für die Qualität des Lebensraums.

Nasen, Biber und Co. geben den Ton an

Der beste Schutz gefährdeter Tiere ist, wenn ihre Lebensräume bewahrt und verbessert werden. Die biologische Vielfalt der Arten (Biodiversität) ist für die Stabilität eines Ökosystems wichtig. Besondere Bedeutung haben Leitarten, die charakteristisch für einen Lebensraum sind. Sie reagieren aufgrund spezieller Ansprüche besonders empfindlich auf Landschaftsveränderungen. Das Vorkommen von Leitarten ist ein wichtiger Indikator dafür, ob ein Biotop geschützt werden muss. 


Die Nase: wanderwilliger Kieslaicher

Die Nase ist Leitfisch für viele Renaturierungsmaßnahmen am Hochrhein. War diese Fischart bis Anfang des 20. Jahrhunderts hier noch häufig vertreten, so haben sich ihre Bestände in den letzten Jahrzehnten stark reduziert. Wie alle Wasserlebewesen ist die Nase auf einen intakten und vielfältigen Lebensraum angewiesen. Dabei muss nicht nur die Wasserqualität stimmen, sondern das Umfeld insgesamt. Da die Nase teilweise kilometerlange Wanderungen, beispielsweise zu geeigneten Laichplätzen, unternimmt, ist die Durchgängigkeit der Kraftwerksanlagen über Fischwege von zentraler Bedeutung.

 

Ebenso wichtig sind flache kiesige Laichplätze sowie strömungsgeschützte Bereiche für die Jungfische. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, haben wir unter anderem Uferverbauungen wie Mauern oder Drahtschotterkörbe entfernt, Schlamm und Feinsediment ausgebaggert und Kies aufgeschüttet – so entstanden Flachwasserzonen und damit Laichplätze. Raubäume schaffen Unterstände für die Jungfische und schützen sie vor Fressfeinden. Buhnen mit strömungsberuhigten Bereichen dienen als Ruhezonen. Hier finden die Fische bei Hochwasser Schutz vor dem Abdriften.


Der Biber: Vegetarier auf Achse

Vor gut zwei Jahrzehnten kamen die Biber von der Aare zurück an den Hochrhein. Mittlerweile leben wieder rund 100 Tiere zwischen Bodensee und Basel und sind auch rund um unsere Wasserkraftwerke zu Hause. Die reinen Vegetarier stellen spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum.

 

Sie ernähren sich von Knospen oder Astrinde und bevorzugen dabei Weichhölzer wie Pappeln und Weiden. Diese Gehölze liefern auch das Material zum Bau der Biberburgen. Wir nehmen bei der Uferpflege darauf Rücksicht, indem wir zum Beispiel Weiden pflanzen und von Bibern bereits benagte Bäume stehen lassen – sofern sie nicht die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Nicht zuletzt sorgen wir mit sogenannten Biberrampen vor den Kraftwerken dafür, dass sich die Biber entlang des Rheins frei bewegen können.


Der Eisvogel: Juwel mit hohen Ansprüchen

Der Eisvogel ist ein Indikator für gesunde Gewässer und daher freut es uns umso mehr, dass der bunt schillernde Vogel am Hochrhein immer öfter auftaucht. Der seltene Vogel benötigt ruhige, steile Uferabschnitte für die Anlage von Bruthöhlen und andererseits Bereiche mit dichtem Bewuchs als Rückzugsraum. Darüber hinaus sind Ansitzwarten am Ufer sowie überströmte Kiesbänke als Jagdrevier von Bedeutung. Wir schaffen beispielsweise Ansitzwarten durch ins Wasser ragende Raubäume. Natürliche oder angelegte Uferanrisse bieten dem Eisvogel neue Standorte für Bruthöhlen.
Da Eisvögel sehr störungsanfällig sind, haben wir an verschiedenen Stellen Wanderwege ein Stück landeinwärts verlegt und dadurch ruhige Uferabschnitte geschaffen.


Wasserfledermaus: Mausohr hat Oberwasser

Die Wasserfledermaus ist eine unserer kleineren heimischen Fledermausarten. Ihr Hauptjagdgebiet sind ruhige Wasserflächen wie oberhalb unserer Kraftwerksanlagen. Wasserfledermäuse besiedeln Spaltenquartiere, aber auch Höhlen oder Astlöcher in alten Bäumen. In unserem Pflegekonzept weisen wir daher gezielt Altholzinseln aus und schützen diese – falls erforderlich – dauerhaft vor Biberverbiss und anderer Nutzung. Am Stauwehr Rheinfelden bieten Nistkästen einen zusätzlichen Unterschlupf.
Ein außergewöhnlicher Lebensraum sind alte Militärbunker, die wir für Fledermäuse, aber auch für Kröten, Schlangen und Insekten mit Hohlblocksteinen und Kies gezielt strukturiert und gestaltet haben.


Grüne Keiljungfer

Die Grüne Keiljungfer ist eine seltene, geschützte Libellenart unserer Fließgewässer. Sie lebt an sonnigen, teilweise mit Büschen und Bäumen bewachsenen Flüssen mit sandigem Untergrund und Ufern und eher kühlem Wasser.
Typisch für ihr Vorkommen sind große und mittelgroße, reich strukturierte Flüsse der Äschen und Barbenregion. Um die Grüne Keiljungfer zu fördern, haben wir beispielsweise am Fischaufstiegs- und Laichgewässer des Kraftwerks Rheinfelden flache Buchten geschaffen, in denen es zur Ablagerung von Feinsedimenten kommt: ein prädestinierter Lebensraum für die Ansiedlung von Keiljungfern.


Stachelige Teichbinse

Noch vor zwei Jahren dachte man, die Stachelige Teichbinse (Schoenoplectus mucronatus) sei in Baden-Württemberg ausgestorben.
Bis sie in einer Baustellenpfütze am Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt wieder entdeckt wurde. Sorgsam wurde die Pflanze ausgegraben und in einen eigens angelegten Teich beim neuen Fischaufstiegsgewässer wieder angepflanzt.
Nun kann sich die Pflanze in weiteren Teichen rund um das Fischaufstiegsgewässer wieder ausbreiten.